Entstehung und Geschichte des Ostereiermarktes

Zusammenfassung von Almuth Noltemeier, die 27 Jahre lang, von 1985 bis 2012 das Ehrenamt der Kulturausschussvorsitzenden ausgeübt und den Ostereiermarkt ins Leben gerufen hat.

Der erste Ostereiermarkt fand im Jahre 1987 und zwar nur im Untergeschoss des alten Wohnhauses statt, da die anderen Räume noch nicht benutzbar waren. Neben fünf Ausstellern war der Eberstädter Bürgerverein mit einem Stand vertreten. Er verkaufte Kommissionsware, d.h. bemalte Ostereier. Diese wurden zuvor mit dem Privatauto und auf eigene Kosten in Frankfurt/M, Kriftel, Marburg, Freiburg und im Odenwald abgeholt und nach dem Markt wurden die nicht verkauften Eier wieder zurückgebracht bzw. das Geld übergeben. Der zeitliche Aufwand für diesen kleinen Markt war damals fast genauso groß wie er heute noch für den mit ca. 40 Ausstellern bestückte Ostereiermarkt ist.

Nur der große Raum war fertig verputzt und gestrichen. Der hintere Raum, der heute als Küche ausgebaut ist und der Vorraum wurden kurz vorher grob verputzt; die Wände waren noch nicht ausgetrocknet. Das Fenster war zwar verschlossen, aber um den Rahmen herum war so viel Spielraum, dass es zog wie auf einem Bahnsteig. Der Bodenbelag bestand noch aus Beton. Schon damals behalfen wir uns mit alten Teppichen oder Holzbohlen, um die Räume nutzen zu können. Die Treppe zum Obergeschoss war zwar schon eingebaut, aber die Räume im Obergeschoss konnten bei aller Improvisation noch nicht genutzt werden.

Schon damals hatten wir den Kindermaltisch als Mitmachaktion installiert, der auch sofort großen Zuspruch fand. Dieser Maltisch wurde u.a. überwiegend auch von Jugendlichen betreut - Annette Wagner, Thorsten Schembs, Martina Vogt, Reinhard, Katja und Jasmin Föhrenbach. Die Besucherkinder standen bis zu einer Stunde an, um einen von 10 Sitzplätzen zu ergattern. Der Effekt war, dass ihre Eltern so lange in der Ausstellung verharren mussten, bis die Kinder ihre Ostereier bemalt oder nach vorbereiteten Schablonen Osterkörbchen gebastelt hatten.

Da weder ein richtiges Sicherheitsschloss noch Fensterläden vorhanden waren, wurde eine Nachtwache (Peter Föhrenbach, Walter Kern und Willi Meyer) organisiert, um den Ausstellern die Sicherheit zu geben, dass ihren Waren nichts passiert. Ach ja, eine Heizung gab es natürlich auch noch nicht. Wir hatten einen alten Kohleofen an den Kamin angeschlossen. Eine Woche vor Ausstellungsbeginn hat Almuth Noltemeier auf dem Weg zur Arbeit die Glut aufgerüttelt, die Asche entfernt und ein paar in Zeitungspapier gewickelte Briketts aufgelegt. Dieses Spiel wiederholt sie nach Feierabend und noch einmal in der Nacht. Auf diese Weise waren die Räume wenigstens überschlagen und man fror nicht an den Stühlen fest. Für die Aussteller wurden noch Quartiere bei Vereinsmitgliedern besorgt. Während der Ausstellungstage wurden sie verköstigt und mit Kaffee und Tee versorgt.

Schon beim zweiten


konnte das Obergeschoss mit benutzt werden. Jetzt hatten wir 13 Aussteller neben dem Vereinsstand mit Kommissionsware. Allerdings mussten wir im großen Raum im Obergeschoss die Tische mit Balken unterfüttern, damit die Eier nicht herunter rollten. Zur Erinnerung: heute ist eine Stufe mitten im Raum. Diese gab es damals noch nicht, da noch der alte Boden drin war; von der hinteren Wand bis zur Tür war ein Gefälle von 38 cm. Die Besucher gingen alle ausnahmslos wie auf einem schwankenden Schiff, breitbeinig und langsam an den Ständen vorbei. Einige Aussteller weigerten sich im Obergeschoss zu verkaufen, da sie sofort Kreislaufprobleme bekamen, d.h. "seekrank" wurden.

Seit dem Jahre 1990 haben wir, wie die damals im Umkreis stattfindenden Märkte (Frankfurt/M, Offenbach, Biblis, Heidelberg und Lindenfels), in Absprachen mit diesen einen festen Termin vereinbart, so dass der Eberstädter Ostereiermarkt seit diesem Zeitpunkt traditionell am 2. Wochenende vor Ostern stattfindet. Nachdem sich immer mehr Aussteller für diesen Markt interessierten, wurde auch das Freigelände mit einbezogen.Den Neubau gab es noch nicht. Wir organisierten Hütten und ein Zelt vom DRK, um die Ausstellungsfläche zu vergrößern. Nun war es uns zeitlich nicht mehr möglich Kommissionsware zu verkaufen. Stattdessen bürgerte es sich ein für alle Besucher Speisen und Getränke anzubieten. Aber auch dabei versuchten wir, die österliche Zeit zu berücksichtigen. Im ersten Jahr boten wir Eier (gekochte, gespiegelt, gerührt - mit oder ohne Schinken, mit oder ohne Zwiebel) an. Unsere bürgerfreundlichen Preise erlaubten es einer fünfköpfigen Familie mit dem Einsatz von 10 DM satt zu werden. Heute weiß jeder, dass es in der Schmiede am Ostereiermarkt "Grie Soß mit Gequellte gibt.

Dann kam die Zeit der gehäuften Salmonellenvergiftungen in Kliniken und Altersheimen. Es war zu befürchten, dass kaum noch Eier gegessen werden. Unsere Reaktion bestand darin Hühnerschenkel in der großen Pfanne zu backten. Auch das kam gut an.

Ein Streichelzoo, anfangs von der Geflügelfarm Mann aus Groß Zimmern und dann von der Kinder- und Jugendfarm der Streuobstwiesen, war damals ein Anziehungspunkt für Groß und Klein. Der Kaninchenzuchtverein H 29 e.V., der
Rassegeflügelzuchtverein 1904 sowie die Gesangvereine Frohsinn 1842, Germania 1894 und der Männergesangverein Harmonie 1889 und nicht zuletzt die Kinder des Kindergarten Kinderglück bereichern den Ostereiermarkt noch heute.

Der heutige Ostereiermarkt, der nunmehr seit 2012 von der neuen Kulturausschussvorsitzenden Nicole Holzapfel-Richtberg weitergeführt wird, hat inzwischen eine Größe erreicht, die nur noch mit vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern (Aufbau, an der Theke, Aufsichtspersonal und nicht zuletzt bei der Herstellung der Grie Soß und der Gequellten) durchgeführt werden kann.