Daniel Geibel und die Geibel`sche Schmiede bis zur Übernahme durch den Eberstädter Bürgerverein von 1980 e.V. (Historie)

Daniel Geibel baut sich eine Schmiede

"Anno 1652 bin ich (Daniel Geibel) noch Ewerstatt kommen und uff St. Michaelis des Erzengels (29.09.1652) ein Gemeindeschmied worden und hab von Meister Ambrosyus Werkzeug umb 36 Reichsthaler abkaufft und hab ihm auch noch 4 Thaler vor 2 Wagen Kohlen geben..."


Soweit das Geibel'sche Hausbuch, zu finden in Wolfgang Weißgerbers "Eberstädter Geschichten aus zwölf Jahrhunderten" von 1982.

Daniel Geibel, geboren 1619, stammte aus Beuern im Busecker Tal bei Gießen in Oberhessen. Anno 1662 verdingt Daniel Geibel dem hiesigen Zimmermann Hans Kindler, der auch als Baumeister fungiert, einen neuen Hausbau. Das neue Haus wird in der Obergasse, heute Oberstraße errichtet. Die Baukosten werden im Hausbuch in allen Einzelheiten eingetragen. Daniel Geibels Sohn Johannes hat die Ausgaben für Wohnhaus, Schweinestall, Schmiede, Scheuer, Kelterhaus und Hühnerställchen mit zusammen 722 Florin (Gulden) vermerkt. Wenn man mit allem Vorbehalt den Gulden mit ca. 36,-- DM heutiger Währung rechnet, so hat das Anwesen der Schmied bei seiner Entstehung ca. 26.000,-- DM gekostet.

Die Schmiede von Daniel Geibel wurde in der Oberstraße, die auch als Straße der Brauhäuser, Branntweinbrennereien und Mühlen bezeichnet wird (z.B. Festschrift 1200 Jahre Eberstadt) errichtet.Die Schmiede diente fast 300 Jahre lang 1663 bis 1956 der Familie Geibel als Heimstatt und Werkstatt in insgesamt 7 Generationen:

1619 - 1693   Daniel Geibel
1659 - 1703   Johannes Geibel
1695 - 1779   Johannes Leonhard Geibel
1731 - 1808   Johann Wendel Geibel
1802 - 1865   Johannes und Georg Wendel Geibel
1842 - 1915   Ludwig Geibel
1877 - 1956   Philipp Geibel


Im Jahre 1956 starb mit 79 Jahren Philipp, der letzte der Bewohner und Nutzer der Schmiede mit Namen Geibel. Ab 1920 gehörte die Schmiede dem Bauunternehmer Hermann Zickler, dessen Ehefrau Katharina das Anwesen bis März 1979 bewohnte, als sie im biblischen Alter von 103 Jahren als älteste Bürgerin Eberstadts verstarb.

Eberstadt bestand aus einem Straßenviereck

In Daniel Geibels Zeit, also nach dem 30jährigen Krieg, bestand Eberstadt im wesentlichen aus einem mit Gehöften, Mühlen, Wirtshäusern und Handwerkshäusern bebauten Straßenviereck.

  • Im Süden der Modau von West nach Ost, die Kirchgasse, die älteste Straße, ist heute so nicht mehr vorhanden. Sie verlief von der heutigen Eschollmühle durch die Büschel- und die Odelwaldstraße auf einer alten Römerstraße von Gernsheim am Rhein zum Hauptkastell Dieburg.

  • Im Osten, in Nord/Südrichtung die Obergasse (nicht zu verwechseln mit der Oberstraße), die heutige Eberstädter Kirchstraße, an welcher fast ausschließlich bäuerliche Höfe lagen.

  • Im Westen die Niedergasse, die heutige Heidelberger Landstraße, die als die Straße der Wirtshäuser und Einstellgasthöfe galt, war sie doch schon damals die wichtige Nord-Süd-Fernverbindung entlang des Odenwaldes zwischen Darmstadt und Heidelberg.

  • Im Norden der Modau von West nach Ost, die Oberstraße, in der Daniel Geibel 1662 seine Schmiede errichtete und zwar zwischen den damals bereits vorhandenen Haus Nr. 16-18, der damaligen Brauerei von Michael Dober von 1661, die später zur Dörner-Diefenbachischen Großbrauerei wurde und heute das schön renovierte "Haus der Vereine" beherbergt und dem inzwischen ebenfals denkmalgerecht renovierten mächtigen Wohnhaus des Sergeanten Eberhard Neusel, dem im 18. Jahrhunder Obersten der Eberstädter Polizei.