Baugeschichte der Geibel'schen Schmiede seit der Übernahme durch den Eberstädter Bürgerverein von 1980 e.V.

Wichtige bauliche Daten

Die Finanzierung des gesamten Gebäudekomplexes erfolgte anfangs durch Mittel der Denkmalpflege und Spenden und wurde später besonders durch Mittel aus dem Landesprogramm Einfache Stadterneuerung zur Förderung der einfachen Erneuerung in Stadtkernen und Wohngebieten forciert. Der Eberstädter Bürgerverein von 1980 e.V. hat seit Gründung bis zum heutigen Tag nie ein Darlehen zur Renovierung und Sanierung aufnehmen müssen.

Insgesamt wurden für alle drei Bauabschnitte mehr als 35.000 ehrenamtliche Stunden geleistet. Wollte man dies monetär darstellen, so würde dies einem Betrag von etwa 525.000 € entsprechen.

 

Einige wichtige Daten:

 

Herbst 1982
Aufmaß und Zeichnerische Bearbeitung aller Vorhandenen Gebäude auf dem Grundstück der Schmiede durch Architekturstudenten der Fachhochschule Darmstadt unter Leitung von Prof. Hans Gillmeister.

Oktober 1983
Beginn der Aufräumungs- und Abbrucharbeiten.

Anfang 1984
Rege Bautätigkeiten habe begonnen. Schlag auf Schlag ging es weiter. Jeden Samstag von morgens früh bis in die Mittagsstunden.

Sommer 1984
Prof. Hand Gillmeister von der FH Darmstadt legt sechs Vorschläge seiner Studenten für die zukünftige Nutzung der Geibel'schen Schmiede in Form von Modellen und Zeichnungen vor.

06.09.1984
Vor der Übergabe wurde bereits Richtfest für das Wohnhaus (1. Bauabschnitt). Das Fachwerk war überarbeitet, gerichtet und teilweise erneuert.

Ende 1985 / Anfang 1986
Schmiede und Wohnhaus haben wieder eine geschlossene Fassade, alle Fachwerkfächer sind ausgemauert, Fenster und Türen in historischer Form erneuert.

Frühjahr 1987
Das gesamte Anwesen (Wohnhaus, Torbogen und Schmiede) ist wieder verputzt und im alten Stil und historischer Farbigkeit denkmalgerecht gestaltet. Die Fassaden von Wohnhaus und Schmiede sind geschlossen, die Hölzer des Fachwerks um Pfosten/Ständer (vertikal), Schwelle/Pfette (horizontal), Strebe (leicht schräg) oder Bänder/Bug (45° verlaufend, quer stabilisierend) errichtet und farbig bemalt, alle Gefache ausgefüllt und weiß gefasst, Fenster und Türen in historischer Form erneuert.

Anschließend wurden eine neue Toilettenanlage und der Gewölbekeller vollständig saniert und erhielt eine wasserdichte Kappe.

August 1989
Von August 1989 bis Mai 1990 wurde die offene Querscheune (2. Bauabschnitt) errichtet.

17.02.1990
Richtfest für die Querscheune

Februar / März 1990
Befestigung des Hofes mit historischem Naturstein-Pflaster

April / Mai 1990
Fertigstellung der Querscheune:
Dacheindeckung, Verbretterung des Giebels und Verlegung der Dielen im Dachgeschoss.

12.08.1994
Die Baugenehmigung für den 3. Bauabschnitt, des multifunktionalen Gebäudes wird erteilt. Ein Verbindungsbau zwischen Hauptgebäude und Querscheune.

19.11.1994
Erste Arbeiten für den 3. Bauabschnitt; Ausschachtung, Fundament und Bodenplatte durch Mitglieder des Bürgervereins beginnen.

27.1.1995
Feierliche Grundsteinlegung für den 3. Bauabschnitt, das multifunktionale Gebäude. Eine Sandsteinplatte wird in das alte Mauerwerk am Eingang zum Gewölbekeller angebracht, Aufschrift:

"Eberstädter Bürgerverein 1980 - Grundsteinlegung 27.1.1995".

29.10.1995
Richtfest für den 3. Bauabschnitt

Herbst 1996
Einbau einer Gas-Zentralheizung im Dachgeschoss des Wohnhauses für Wohnhaus und multifunktionales Gebäude.

Ende 1996
Das multifunktionale Gebäude ist einschließlich Dachdeckung, Fensterverglasung, Fenster, Türen soweit fertiggestellt, dass es regelmäßig durch Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt werden kann.

April 1999
Fertigstellung der Küche im Wohnhaus.

Mai / Juni 1999
Teilweise Erneuerung der Ausfachung des Fachwerks, des Aufputzes, des Farbanstrichs, Ausbesserung des Fachwerks, der Fenster und der Fensterläden, neue Fensterläden auch im Obergeschoss.

Januar / Februar 2000
Verlegung des Stirnholzparketts und Fertigstellung der Treppe im multifunktionalen Gebäude.

Ende 2000
Endgültige Fertigstellung des multifunktionalen Gebäudes,
Ausbau des Kellergewölbes.

Samstagsbautrupp in der Schmiede

Der Samstagsbautrupp in der Geibel`schen Schmiede. Aufgeschrieben von Hans Gerhard Knöll zum 20jährigen Jubiläum

Wenn ich könnte, würde ich das Folgende im Eberstädter Dialekt zu Papier bringen. Aber das geht nicht. "Du Ewwerschter, nie", so Wolfgang Vogt zu einem aus Oberhessen zugereisten. Ich habe mich nie getraut zu antworten: "Du Grimmicher, nie", was auch nicht sinnvoll gewesen wäre, denn es ging und geht nicht um Grünberg in Oberhessen sondern um Eberstadt. Trotz dieses "Mangels" wollte und will ich dazugehören, zu den Ur-Ewwerschtern, die sich seit Jahren samstags zum Arbeitseinsatz in der Schmiede treffen, in wechselnder Zusammensetzung. Viele waren in den 80er Jahren ungeheuer fleißig, verschwanden wieder und andere kamen dazu. Einige wenige halten unsere Schmiede von Anfang an die Treue. Man sehe es mir nach , sie einzeln mit Namen zu nennen, ich würde sicher den einen oder anderen vergessen. Also lass ich`s lieber. Wie sahen wir aus, samstags früh beim Entrümpeln, beim Abreißen von Mauern und Fachwerkfeldern, unten Gummistiefel, oben grauer Staub auf Haar und Hut, bis in die Nasenlöcher kroch er beim Abschlagen von altem Putz und Säubern von Holzbalken mit der Drahtbürste über Kopf. In der Pause ein kräftiger Schlick Bier zu Fleischwurst mit Senf und Brötchen. Rauh aber herzlich der Ton "hoste de Kall widder mol gesehe?" "Na, Du? Isch glaab, der geht net mehr aus`m Haus enaus, dem guckt schun de Brink aus de Aache, der macht'snet mehr lang".

Zwischendurch verließ uns auch mal der Mut, weil gerade am Anfang der Erfolg und das Ziel noch weit entfernt waren. Wie das so ist bei alten Häusern, je mehr man ihnen auf den morschen Leib rückt, um so mehr muss erneuert werden. Nicht einzelne Fachwerkhölzer wurden ersetzt, nein, ganze Wände, da wo Wind und Wetter über Jahrhunderte am Haus genagt haben. Auch die Dächer waren zu erneuern; immer ein besonderes Ereignis, wenn die ganze Mannschaft erforderlich wurde, um über eine lange Menschenkette die Ziegel auf das Dach zu schaffen. Wehe, dem vereinseigenen Dachdecker wurde der Bieberschwanz falsch herum gereicht, um ihn auf die Lattung aufzulegen. Da konnte schon mal ein lautes Wort fallen, aber in aller Freundschaft versteht sich. Wir alle arbeiten ehrenamtlich und unentgeltlich, über 20000 Arbeitsstunden unserer Mitglieder stecken in der Schmiede, darauf sind wir mit Recht stolz.

Die jährlich Anfang August stattfindende Ewwerschter Kerb war und ist für uns schon immer ein besonderes Datum. Zur Kerb sollte immer irgend etwas fertig sein, was wir unseren Besuchern mit Freude und Stolz zeigen konnten und was uns die Bewirtung unserer Gäste erleichterte.

Ganz am Anfang war es die fehlende Toilettenanlage für unsere Gäste im Hof der Schmiede. Also stellten wir kurzerhand ein blechernes Toilettenhäuschen auf. Allerdings hatten wir nicht mit unserem riesigen Erfolg gerechnet. Es sah so aus, als wollten alle Eberstädter, die des Biertrinkens und Bratwurstessens mächtig waren, mit uns im Hof und Garten der Schmiede die Kerb feiern. Dementsprechend sah hernach unser Toilettenhäuschen aus, insbesondere von innen. Also bauten wir bis zur nächsten Kerb eine komfortable viersitzige Toilettenanlage, Eberstädter, kommt alle! Was auch in den nächsten Jahren geschah. Oft herrschte in Hof und Garten ein solches Gedränge und ein ständiges Kommen und Gehen, dass wir mit dem Bierzapfen und Braten von Steaks und Bratwürsten kaum nach kamen. Aber wir waren nach der Kerb zwar alle rechtschaffen müde und rochen wochenlang nach Gegrilltem, aber auch dankbar, dass unsere Schmiede einen solchen Anklang fand.

Schließlich bauten wir alle die Querscheune, unter der wir das Toilettenhäuschen verstecken konnten, pflasterten den Hof, verbesserten wesentlich die Infrastruktur fürs leibliche Wohl unserer Gäste, taten also alles, damit sich die Ewwerschter in unserer Schmiede wohl fühlten. Die dankten und danken es uns bis heute, indem die Kerb in der Schmiede inzwischen zu einer nicht mehr wegzudenken, festen Einrichtung im Jahresablauf Eberstadts geworden ist.

Im Sommer 1994 war es endlich soweit. Mit der Baugenehmigung für das multifunktionale Gebäude im Anschluss an das Wohnhaus konnten wir endlich den 3. Bauabschnitt beginnen. Noch im November bei nasskaltem Wetter bewehrten und betonierten wir die Bodenplatte und dann ging es zügig weiter: Grundsteinlegung am 27.01.1997 und Richtfest am 29.10.1995 mit viel politischer Prominenz.

Unser damaliger Oberbürgermeister Günther Metzger, der uns von Anfang an immer sowohl moralisch als auch mit der einen oder anderen Zuwendung aus dem Stadtsäckel unterstützt hat, war so begeistert von unser Arbeit für die Schmiede, dass er uns auf dem Sommerfest 1997 spontan einen Fuder Wein spendierte, die bei der Fertigstellung des Gewölbekellers feierlich überreicht werden sollte. In einem alten Lexikon haben wir folgendes gefunden: "Fuder, altes Weinmaß, 826 bis 1200 Liter, entspricht der Ladung eines Wagens Heu".

Das multifunktionale Gebäude ist seit Ende 1996 soweit fertig, dass es für Ausstellungen und Kleinkunstdarbietungen genutzt werden kann. Almuth Noltemeier hat es mit großem Elan in Besitz genommen und kann nun endlich die Ausstellungen so gestalten, wie sie es sich immer vorgestellt hat und die Bürger erwarten, auch wenn der Fußboden noch provisorisch mit alten Teppichen ausgelegt ist, da der Holzfußboden noch fehlt (seit Januar 2000 ist der Holzfußboden eingebaut.

Wir haben das multifunktionale Gebäude ganz bewusst in einem modernen Baustil errichtet mit viel Glas und Lärchenholzverkleidung, einem großen Schiebetor und durchaus eigenwilliger Farbgebung, aber mit steil geneigtem Satteldach mit Bieberschwanzdeckung, einem Vordach in Zinkblech und somit formaler Verknüpfung mit althergebrachten Bauformen einer fränkischen Hofreite. Die Architekten Christine Kolb-Neumann und Bernd Neumann haben in Verbindung mit dem städtischen Denkmalpfleger Nikolaus Heiss eine Funktionale und sehenswerte Symbiose zwischen alt und neu entstehen lassen.

Wir haben der Stadt Darmstadt und den Eberstädter Bürgern ein bauliches Schmuckstück in Ensemble der Fachwerkhäuser in der Oberstraße geschenkt.